Freiwillige Feuerwehr Hattlund - Kalleby
Werdegang der freiwilligen Feuerwehr Hattlund-Kalleby
Ein Artikel zur 100 Jahr-Feier der Wehr im Jahre 1986 vom damaligen Wehrführer Hans Henning Martensen
Dem Protokollbuch, das mit Ausnahme der Kriegsjahre 1941-47 lückenlos bis zum heutigen Tage geführt ist, wurden die folgenden Daten übernommen:
Am 22.12.1886 gründeten 19 Mitglieder die Freiwillige Feuerwehr Hattlund-Kalleby. die Gründungsmitglieder kamen aus den Gemeinden Hattlund, Kalleby und den Ortschaften Nübel und Gräfsholz der Gemeinde Nübel. In den folgenden Jahren sind Männer aus Roikier und Friedrichstal dazugekommen. 1935 erfolgte eine Namensänderung in Löschzug 3 der Feuerwehr Großquern. 1940 wurden die Feuerlöschbezirke neu aufgeteilt. Roikier und Friedrichstal gründeten eine eigene Wehr. Zu dieser Zeit zählte unsere Feuerwehr nur noch 13 Mitglieder. In diesem Jahre wurden aus verschiedenen Wehren Einsatzgruppen zur überörtlichen Großbrandbekämpfung gebildet, sie waren jedoch im Kriege nicht im Einsatz.

Gruppenaufnahme der Wehr Hattlund-Kalleby aus dem Jahre 1912
Wehrführer P. Matzen hat 1947 die Wehr nach dem Kriege wieder zusammengeführt. In seinem Protokollbuch beschreibt er die damalige Situation so: " In der ersten Zeit nach dem Kriege machte sich, wie es nicht anders zu erwarten war, eine gewisse Gleichgültigkeit breit. Durch den verlorenen Krieg sind wir ärmer denn je geworden. Die katastrophale Lage auf dem Baustoffmarkt verhindert den Wiederaufbau eines abgebrannten Gebäudes. Uns obliegt eine große Verantwortung gegenüber der Allgemeinheit, um das, was sich heute noch in unserem Besitz befindet, vor der Vernichtung zu bewahren."
Seit 1947 hat unsere Wehr kontinuierlich an Stärke zugenommen. Jetzt sind wir 27 Aktive und neun Mitglieder in der Ehrenabteilung. Von den 27 Aktiven haben 18 ihren Arbeitsplatz in unserem Feuerlöschbezirk, sind also jederzeit einsatzbereit.
Die Wehrführer waren von 1886-1905 Nicolaus Struve, Kalleby; 1905-1907 Peter Jacobsen, Hattlund; 1907-1920 Lorenz Joost, Kalleby; 1920-1934 Nicolaus Petersen, Nübelfeld; 1934-1940 Peter Jürgensen, Friedrichstal; 1940-1941 Friedrich Jürgensen, Roikier; 1941-1953 Peter Matzen, Kalleby; 1953-1964 Claus Schleth, Nübel; 1964 bis heute Hans-Henning Martensen, Hattlund.
Bei der Gründung musste die Wehr ihre Aufwendungen für Uniform und Geräte selber aufbringen. Diese Kosten übernahmen ab 1890 die Gemeinden. 1895 wurde für 1150 Reichsmark eine Saug- und Druckspritze angeschafft. Die erste Motorspritze und ein neues Spritzenhaus am Teich in Kalleby wurden 1937 in Betrieb genommen. 1940 bekam unsere Wehr einen Mannschaftswagen mit eingebauter Spritze. Dieser Wagen soll sehr störanfällig gewesen sein. Gutes wird nur von der dreitönenden Hupe berichtet. Zu Kriegsende wurde das Fahrzeug gegen einen TSA ausgewechselt. 1967 bekamen wir für 5000 Mark unsere jetzige Magirus-Tragkraftspritze. 1969 nahm unsere Wehr einen großen technischen Aufschwung. Vom damaligen Amtsvorsteher Jes Andresen, Gräfsholz, wurde uns am 26. September das neue Fahrzeug "Ford TST 8" übergeben. Am selben Tage feierten wir die Einweihung des neuen Gerätehauses. Beim Bau hatten alle Kameraden tatkräftig mitgeholfen.

Als Zeuge der Gründerjahre steht noch das erste "Spritzenhaus" in Hattlund (links). Bis 1969 war das Gerätehaus in Kalleby (rechts) noch im Dienst. Danach diente es der Gemeinde al Geräteschuppen, heute ist es vermietet.
Die Ausrüstung mit einem Vermieter-Band-Funkgerät, stationär im Fahrzeug, und einem tragbaren Zweimeter-Band-Funkgerät war ebenfalls ein großer Fortschritt. Weiter haben der Notruf 112 und die zentrale Alarmauslösung über die Leitstelle Schleswig die Schlagkraft der Wehr sehr erhöht. Die Wasserversorgung in unserem Feuerlöschbezirk ist jetzt als gut zu bezeichnen. Neben einigen Teichen sind allen Ortsteilen genügend Hydranten vorhanden.

Am 16. Oktober 1984 brannte in Kalleby die Gastwirtschaft nieder. das Feuer brach nachts
aus. Hattlund-Kallebyer Feuerwehrleute hatten bis in den nächsten Tag damit zu tun, noch
schwelende Brandnester abzulöschen.
In den vergangenen 98 Jahren ist unsere Wehr 74 mal im Ernsteinsatz gewesen, davon 19 mal im eigenen Löschbezirk. Von großen Naturkatastrophen und schweren Reihenbränden sind wir verschont geblieben. Es ist ein Wunder, dass es im Kriege und in der Nachkriegszeit bei den schlechten Wohnverhältnissen der vielen Heimatvertriebenen (z.B. Kanonenofen) nicht zu Großbränden gekommen ist.
"Jeder Feuerwehrmann sollte nicht nur ein Feuerbekämpfer, sondern ein Feuerverhüter sein", so Wehrführer Matzen 1947.
Im Protokollbuch ist festgehalten, dass unsere Wehr immer demokratisch geführt wurde. 1890 wurden durch Abstimmung die Brüche für Verspätungen auf 15 Pf und für das Fernbleiben von der Generalversammlung auf 30 Pf festgesetzt. Beim Ausrücken sollte dann aus der Kasse ein Zehrgeld von 20 Pf, höchstens 30 Pf pro Mann gezahlt werden, worüber der Wehrführer zu entscheiden hatte. 1921 wurde mit beginnender Inflation die Brüche durch Beschluss von 4 RM auf 10 RM heraufgesetzt. Heute erheben wir für Verspätungen eine und für das Fehlen zur Generalversammlung drei Mark Brüche.
1911 wurde ein Ehrenmitglied gewählt. Die Brüchegelder und die Urteile des Ehrengerichts mussten gewiss oft in "Angler Muck" entrichtet werden. Feuerwehr bedeutet ja auch Gemeinschaft, Kameradschaft und Fröhlichkeit.
Es war das Ziel unserer
Gründer, in Freiwilligkeit dem Nächsten in Not und Gefahr zu helfen. Die
Brandobjekte sind größer geworden, die Gefahren auf der Straße und am
Arbeitsplatz häufiger. Ehrenamtlich und freiwillig möchten wir auch in Zukunft
in unserer Feuerwehr arbeiten.
Die Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr Hattlund-Kalleby 1986. Von links nach rechts: P. Boysen, E. Freitag, K. Bendixen, H.W. Petersen, P. Kiesbüy, G. Kiesbüy, P. Hansen, H. Petersen, J. Erichsen, E. Siemen, H. Thomsen, P. Rux, U. Möller, H. Schleth, A. Petersen, K.H. Böwes, H.W. Jensen, C.D. Struve, G. Jürgensen, F. Greggersen, L. Nielsen, P.J. Erichsen, H.P. Otzen, W. Rux, P. Hansen, H:H: Martensen.
"Gott und Ehr', dem Nächsten zur Wehr", so heißt es im Gründungsprotokoll, und in diesem Sinne wollen wir weitermachen.
Hans Henning Martensen
Wehrführer
Seit der 100 Jahrfeier der Wehr, im Jahre 1986, die sie zusammen mit sechs anderen Wehren aus dem Amtsbereich Steinbergkirche gefeiert hat ist der Mitgliederstand bei 25 bis 27 aktiven Mitglieder geblieben. Da die Wehr nur über zwei PA verfügt wird beim Ausrücken immer die Wehr Gr. Quern mit alarmiert, sowie das Tanklöschfahrzeug aus Steinbergkirche, so das immer mindestens acht PA zur Verfügung stehen.
Im Februar 1998 bekam die Wehr ein neues TSF auf VW Basis mit einem Ziegler Aufbau, so das das 30 Jahre alte Tragkraftspritzenfahrzeug ausgesondert werden konnte.

Die Wehr wird im Durchschnitt zu ein bis zwei Einsätzen im Jahr gerufen, wobei die Zahl der Hilfeleistungen steigt, was auch an der vielbefahrenen B199 liegt die durch ihr Ausrückgebiet läuft. Dabei nimmt die Wehr nur die begleitenden Aufgaben wahr, da die Wehr Steinbergkirche mit dem technischen Hilfesatz ausgerüstet ist.
Wenn mal alles nicht klappt haben wir immer noch eine Möglichkeit ein Feuer zu löschen.